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Arbeitsbesuch
„Gute Arbeit in Unternehmen"

pdfArbeitnehmermitbestimmung in der Metallindustrie

Seit über zehn Jahren organisiert die Friedrich-Ebert-Stiftung gemeinsam mit dem DGB Region Westbrandenburg und der NSZZ „Solidarnosc“ Oppelner Schlesien einen bilateralen Informationsaustausch zwischen deutschen und polnischen Gewerkschafter_innen zum Thema „Gute Arbeit in Unternehmen“. Nachdem im Frühjahr eine polnische Delegation nach Potsdam gereist war, stand vom 11. bis 13 Oktober der Gegenbesuch der deutschen Delegation in Polen an. Neben den Gewerkschafter_innen der IG Metall, die im Betriebsrat der alu-druckguss GmbH & Co Brandenburg KG vertreten sind, nahmen Danny Hatscher, IG Metall-Jugendsekretär in Potsdam/Oranienburg, Frank Techen, Geschäftsführer der DGB-Region Westbrandenburg und Detlef Almagro Velázquez, Gewerkschaftssekretär der DGB-Region Westbrandenburg an der Delegation teil. Im Mittelpunkt des Arbeitsbesuchs stand der Informationsaustausch mit den Kolleg_innen von Solidarnosc bei Neapco in Praszka, ein Unternehmen, das ebenfalls Aluminiumdruckgusse produziert.

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Nach einem einführenden Gespräch am Abend des ersten Tages mit den Vertreter_innen der Solidarnosc-Region Oppelner Schlesien, darunter die Vorsitzende Cecylia Gonet und der stv. Vorsitzende Grzegorz Adamczyk, machte sich die Delegation am zweiten Tag ins rund 70 km entfernte Praszka zum Sitz des Unternehmens Neapco Europe auf, wo sie von Waldemar Koscielny, dem Vorsitzenden der dortigen Betriebsgewerkschaft von Solidarnosc empfangen wurden. Neben Gesprächen über die Möglichkeiten der Arbeitnehmermitbestimmung im Betrieb, standen ein Gespräch mit dem Unternehmensleiter Karol Strózyk sowie ein Rundgang durch die Produktionsanlagen auf dem Programm. Mit rund 1000 Beschäftigten zählt Neapco als Zulieferer für die Automobilindustrie zu den größten Betrieben der Region. Die Solidarnosc ist bereits seit ihrer Gründung 1980 in dem (damals noch staatlichen) Betrieb aktiv und zählt derzeit etwa 370 Mitglieder.

11-13 10_2017Insgesamt betonte Koscielny die gute Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften und Betriebsleitung. Demnach sei es um die Mitbestimmung im Unternehmen recht gut bestellt. Dementsprechend breit sei das gewerkschaftliche Aufgabenspektrum. Neben Tarifverhandlungen stehe vor allem die Sicherheit am Arbeitsplatz im Vordergrund. Hier hätten sich die Gewerkschaften über die Ernennung von Verantwortlichen für den Arbeitsschutz in den einzelnen Betriebsabteilungen wichtige Mitbestimmungsrechte gesichert. Problematisch sei hingegen, dass aus gewerkschaftlicher Sicht immer noch zu viele Mitarbeiter_innen lediglich befristete Verträge hätten.

Im Anschluss traf die Delegation mit dem Unternehmensleiter Karol Strózyk zusammen, der vom polnischen 11-13 10_2017Präsidenten mit dem Preis „Arbeitnehmerfreundlicher Arbeitgeber“ ausgezeichnet worden ist. Strózyk betonte das gute Verhältnis zwischen Betriebsleitung und den Gewerkschaften. „Gerade weil wir in vielen Bereichen unterschiedliche Sichtweisen haben, ist der regelmäßige Dialog wichtig“, so Strózyk. Nur auf der Basis eines institutionalisierten Austauschs zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, können für das Funktionieren des Betriebs elementare Fragestellungen zur Arbeitsatmosphäre, Zukunftssicherheit und Sicherheit am Arbeitsplatz erfolgreich behandelt werden. Dabei führte Strózyk zwei Beispiele für die gute partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Betriebsleitung und Gewerkschaften bei Neapco an. Zum einen sichere der Betrieb den Beschäftigten eine Lohnfortzahlung im 11-13 10_2017Krankheitsfall in Höhe von 92 Prozent, statt der in Polen gesetzlich festgeschriebenen 80 Prozent. Zum anderen hob er die gewerkschaftliche Solidarität im Betrieb hervor. Als es vor einigen Jahren zu einem Stellenabbau gekommen sei, hätten Betriebsleitung und Beschäftigte jeweils zehn Tage auf ihr Gehalt verzichtet, um so die Abfindungen für die Kolleg_innen zu finanzieren, mit denen sich die Betriebsleitung auf eine Kündigung einigen konnte. Die Einzigartigkeit dieser Solidaritätsgeste unterstrichen auch die Gewerkschafter_innen.
Der dritte Tag wurde mit einer Evaluationsrunde und einer Planung der Zusammenarbeit im Jahr 2018 beschlossen. Unter anderem wurde eine Zusammenarbeit zwischen den Nachwuchsabteilungen des DGB Westbrandenburg und der Solidarnosc-Region Oppelner Schlesien vereinbart, die im kommenden Jahr beginnen soll.
Alle Fotos mit freundlicher Genehmigung von Michael Hughes; ©Michael Hughes (www.hughes-photography.eu).

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