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Zukunftsforum FZZ

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Aufwachen! Es kommt was Neues!

Vom 21.-23. März trafen sich über 100 führende Gewerkschafter_innen des FZZ, um ein neues Angebot für junge Menschen in den Gewerkschaften auszuarbeiten.

Rowy. Am Montag, den 21. März begann das von der Friedrich-Ebert-Stiftung Warschau mitorganisierte Zukunftsforum des Gewerkschaftsverbandes Forum der Gewerkschaften (FZZ). Nach intensiver interner Beratung der Teilnehmenden starteten die Diskussionspanels.

Zukunftsforum FZZDas Panel über die Zukunft junger Menschen in den Gewerkschaften war der Kernpunkt der Veranstaltung - sehr viel positive Energie, interessante Schlussfolgerungen, laut denen einem zukunftsfähigen, auf junge Arbeitnehmer_innen zugeschnittenen Angebot, nichts im Wege stehe. Das Panel wurde von Micha³ Syska, dem Direktor des Ferdinand-Lassalle-Zentrums für Soziales Denken (OMS Lassalle) moderiert und es diskutierten Dorota Gardias, Vorsitzende des FZZ, Wioletta Janoszka, Vorsitzende der Jugendkommission des FZZ sowie £ukasz Bukowski, Vorsitzender der Jugendkommission des FZZ. 

Zukunftsforum FZZMicha³ Syska sprach in seiner Einführung die Bedeutung des Bildungssystems, des gesellschaftlichen Kapitals, der sog. Müllverträge und des Vertrauens der Gesellschaft in die Gewerkschaften an. Der zentrale Fokus lag auf dem polnischen Bildungswesen, welches den Kult der Unternehmer_innen, des Business, der Selbstständigkeit auf dem Arbeitsmarkt stark akzentuiere und dabei die Rolle der Arbeitnehmer_innen im Gesellschafts- und Wirtschaftssystem zu vernachlässigen scheine. Aus diesem Grund behandeln junge Menschen die gewerkschaftliche Bewegung als Relikt vergangener Zeiten- sie mag den Kommunismus zu Fall gebracht haben, aber heute werde sie als überflüssig betrachtet. Ein zusätzliches, die Bedeutung der polnischen Gewerkschaften schwächendes Element, sei das geringe soziale Kapital. Dies zeige sich durch ein System, das auf das Individuum und eine dogmatische Konkurrenzfähigkeit eingestellt sei. Eine Folge dessen sei u.a. die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, welche die Arbeitnehmer_innen in eine den Arbeitgebern_innen stark untergeordnete Position stelle.

Zukunftsforum FZZDorota Gardias unterstrich in ihrem Kommentar, dass das Problem der sog. Müllverträge nicht so offensichtlich sei, wie es die Gewerkschaftsorganisationen erscheinen möge. Als Folge der dominierenden gesellschaftlichen und ökonomischen Doktrin bevorzuge ein Teil der jungen Generation zivilrechtliche Verträge aufgrund ihrer scheinbaren "Vorteile", wenn es um die Mobilität und oftmals ein real höheres Nettoeinkommen geht. "Hier kommt das Problem des geringen Vertrauens gegenüber staatlichen Institutionen ans Tageslicht", unterstrich Gardias. "Ein junger Mensch vertraut nicht darauf, dass sein Geld, dass er in Form von Sozialabgaben und Steuern an den Staatshaushalt zahlt, effektiv ausgegeben wird." Auf der anderen Seite betonte die FZZ-Vorsitzende, dass das gegenwärtige Angebot der Gewerkschaften noch immer aktuell sei und junge Menschen in Kleinstädten und Dörfern erreiche. Dort seien eine abgesicherte Beschäftigung, Stabilität und die Bindung an traditionelle Werte höher. Man müsse also generelle Veränderungen in der Dynamik des ArbeitsmarktesZukunftsforum FZZ verstehen. Man müsse sich vom Denken in Branchen-Kategorien lösenund an Menschen herantreten, die die neue Wirklichkeit repräsentieren. Daher sollte das Angebot an die jungen Menschen vielschichtig sein und an die verschiedenen Arbeitnehmer_innengruppen mit einem besonderen Fokus auf die Akzeptanz der Mentalität der neuen Generation von Beschäftigten gerichtet werden. Als Hauptziel setzt Gardias auf die Veränderung der Definition des/der Arbeitnehmers/Arbeitnehmerin. Eine Überwindung der Segmentierung des Arbeitsmarktes würde es erlauben, die gewerkschaftlichen Ideale nach Außen zu vertreten - an diejenigen, die heute hinter der vom System errichteten Betonmauer stehen, welche die  Arbeitnehmer_innen in bessere und schlechtere teilt. Die Möglichkeit für Menschen, die auf der Grundlage von zivilrechtlichen Verträgen beschäftigt sind, in Gewerkschaften einzutreten, könne bewirken, dass unsere Wirtschaft nicht mehr nur wegen niedriger Arbeitskosten konkurrenzfähig sein wird. Schlussfolgernd unternahm die FZZ-Vorsitzende den Versuch einer Definition einer modernen Gewerkschaftszentrale - als dynamische, auf einem Dialog der Generationen basierende Organisation, die sich stets neuen Herausforderungen stelle.

Zukunftsforum FZZWioletta Janoszka, die Vorsitzende der Jugendkommission des FZZ unterstrich, dass eine Garantie der Glaubwürdigkeit der Gewerkschaftsarbeit für junge Menschen, ein effektiver interner Dialog zwischen den Generationen sein müsse. Insbesondere gehe es um die Stärkung der im Rahmen der von der Zentrale unternommenen Maßnahmen. "Eine sich dynamisch entwickelnde Jugendorganisation im Rahmen des FZZ wird auch den Organisationsgrad in den Betrieben erhöhen" sagte Janoszka. Die Jugendvertreterin wies außerdem auf die Notwendigkeit des Kommunizierens eines Angebots für junge Arbeitnehmer_innen auf Betriebsebene hin, also dort, wo die Gewerkschaftsarbeit am schwierigsten und wichtigsten sei. Festzuhalten ist auch die Aussage der Vorsitzenden der FZZ-Jugend, dass die Jugendorganisation nach außen nicht nur durch typische Maßnahmen, an die sich die Öffentlichkeit in Polen schon gewöhnt habe, zu fördern sei, sondern dass man aus den Erfahrungen der europäischen Kolleg_innen lernen und verschiedene Veranstaltungen, Picknicks, Konzerte veranstalten solle, die nicht strikt mit Angelegenheiten der Arbeitnehmer_innen verbunden sind. Nach der Beziehung zu den Medien gefragt, erwiderte Janoszka, dass das Interesse der Medien bei den einzelnen Aktionen der Jugendkommission des FZZ gering sei und dass man breiter in den sozialen Medien auftreten müsse.

Zukunftsforum FZZDer Vizevorsitzende der Jugendkommission des FZZ, £ukasz Bukowski fügte hinzu, dass die erfahrenen Gewerkschaftsaktivist_innen stärker mit den jungen Funktionären kommunizieren sollten. Er erwähnte außerdem die Erfahrungen, die die Jugendkommission im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit gemacht habe, u.a. in dem vom Regionalprojekt für Arbeitsbeziehungen und Sozialen Dialog in Europa der FES ins Leben gerufenen Netzwerk junger Gewerkschafter_innen CEYTUN. Bukowski wies zudem darauf hin, dass "Jugend nichts mit der Geburtsurkunde" zu tun habe und ermunterte die Aktivist_innen zu einer Öffnung auf neue Denkmodelle über Gewerkschafter_innen.

Zukunftsforum FZZEs folgte eine rege Diskussion mit den Gewerkschafter_innen im Saal. Es wurde betont, dass man jungen Menschen bewusst machen müsse, dass Arbeitnehmer_innenrechte nicht für immer gegeben seien und nur die Gewerkschaften die Würde der Beschäftigten schützen. Die Führungen der einzelnen Mitgliedsorganisationen erklärten ihre Bereitschaft zum Aufbau und zur Stärkung des Dialogs zwischen den Generationen der Gewerkschafter_innen, was große Zustimmung der Gewerkschaftsjugend stieß.

Micha³ Syska erwähnte in seiner Zusammenfassung des Panels auch die Notwendigkeit der Änderung der Sprache, der sich Gewerkschafter_innen bedienen. Seiner Meinung nach solle diese zugänglicher sein, wodurch die öffentliche Meinung mehr über die Vorteile einer Gewerkschaftszugehörigkeit erfahren könne.

Am 23. März fand eine Paneldiskussion über die Rolle des FZZ in der europäischen internationalenZukunftsforum FZZ Zusammenarbeit statt. Die Einführung machte Tomasz Jasiñski, internationaler Sekretär des FZZ. Er stellte kurz die Arbeit des Europäischen Gewerkschaftsbundes (EGB), in dem der FZZ seit 2012 Mitglied ist, des Europäischen Gewerkschaftsinstituts (ETUI), sowie des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses (EESC) vor und erwähnte die regionale Arbeit (darunter auch die von der FES geförderten Netzwerke BASTUN, die gewerkschaftliche Visegrad-Gruppe, das Jungendnetzwerk CEYTUN, sowie das Deutsch-Polnische Gewerkschaftsforum). Als einen wichtigen Aspekt der internationalen Arbeit bezeichnete Jasiñski die bilaterale Zusammenarbeit, u.a. mit ver.di in Deutschland.

Die Paneldiskussion über die internationale Arbeit wurde von Julia Kubisa - Soziologin an der Universität Zukunftsforum FZZWarschau und Marie Curie Experienced Researcher an der Universität Göteborg - moderiert. Im Panel saßen außerdem  Krzysztof Ma³ecki, Mitglied des Präsidiums von FZZ, Henryk Pi±tkowski, Vizevorsitzender der Gesamtpolnischen Gewerkschaft der Seefahrer und Offiziere und Tomasz Jasiñski, Internationaler Sekretär.
Die Panelisten stellten ihre Erfahrungen in der gewerkschaftlichen internationalen Arbeit vor und wiesen vor allem auf die Bedeutung direkter Kontakte mit ausländischen Kolleg_innen hin. Die europäische Gewerkschaftsbewegung sei in ihren Zielen der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeitnehmer_innen homogen, aber verschiedene Lösungen und Modelle bewirken, dass diese Ziele auf verschiedene Weisen und mit unterschiedlichen Methoden erreicht werden können. Als Beispiele wurden die Mitbestimmung, Tarifverträge und die Diskussion über einen europäischen Mindestlohn angeführt.
In ihren Aussagen verwiesen die Panelisten auf die Herausforderungen, vor denen die Gewerkschaftsbewegung im internationalen Kontext stehe. Krzysztof Ma³ecki stellte die Arbeit der Zukunftsforum FZZInternationalen Arbeitsorganisation (ILO) vor, die die Arbeitswelt direkt betreffe. Er erwähnte diverse, für die Gewerkschaftswelt bedeutende Konventionen, wie u.a. die bezgl. des Streikrechts. Henryk Pi±tkowski konzentrierte sich in seiner Aussage auf die Tarifverträge, die in den europäischen Staaten verschiedenartig reguliert seien. In ihrem Kernpunkt stehe jedoch stets eine aktive Beteiligung der Gewerkschaften. Tomasz Jasiñski bezog sich auf den Aspekt der Information und Förderung der internationalen Zusammenarbeit, sowohl inner- als auch außerhalb der Organisation. Das Ziel solle neben der Verbreitung von Informationen auch der Erfahrungsaustausch mit den ausländischen Kolleg_innen und Mitgliedsorganisationen des FZZ sein.

Zukunftsforum FZZDie Paneldiskussion endete mit einer Frage- und Kommentarrunde, die sich an die Panelisten richtete. Man unterstrich die Notwendigkeit der Stärkung der Position des FZZ auf internationaler Ebene sowie eines stärkeren Engagements seiner Mitgliedsorganisationen auf der  internationalen Branchenebene.
In ihrem Schlusswort fasste Dorota Gardias die wichtigsten Ergebnisse des Forums zusammen.

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